Warum Kabelchaos im Wohnzimmer fast immer dieselben Ursachen hat
Im Alltag entstehen Kabelprobleme nicht, weil „zu viele Geräte“ da sind, sondern weil Strom, Daten und Gerätepositionen nicht zusammen geplant wurden: Der TV hängt an der Wand, die einzige Steckdose ist aber in Bodennähe hinter dem Sofa. Der Router steht dort, wo die Telefondose ist, das WLAN ist aber am TV schwach. Dazu kommen Lampen, Konsolen, Streaming-Boxen, Subwoofer und Ladegeräte.
Die gute Nachricht: In den meisten Mietwohnungen lässt sich das sauber lösen, ohne zu stemmen oder die Elektrik anzufassen. Entscheidend ist eine klare Kabelführung, kurze Wege und ein Setup, das später wartbar bleibt (z.B. wenn ein Gerät getauscht wird).
Bevor Sie Material kaufen, klären Sie drei Punkte: Wo stehen die Geräte wirklich, wie viele Steckplätze brauchen Sie inklusive Reserve, und welche Kabel müssen sichtbar bleiben (z.B. Ladekabel am Sofa) und welche sollen komplett verschwinden (TV, Soundbar, Konsole).
| Lösung | Typischer Einsatz | Budget |
| Kabelkanal + Eckkanal | TV an Wand, Kabel bis Steckdose führen | 20-60 EUR |
| Steckdosenleiste im Kabelkorb | Hinter Sideboard/TV-Board, viele Netzteile | 25-80 EUR |
| Flachkabel unter Teppich | Strom über Laufweg, ohne Stolperkante | 15-40 EUR |

Bestandsaufnahme in 20 Minuten: So planen Sie ohne Fehlkauf
Schritt 1: Geräte-Liste mit echten Kabellängen
Notieren Sie alle Verbraucher am TV-Bereich und am Sofa-Bereich. Dann messen Sie grob die Strecke bis zur Steckdose. Viele scheitern, weil HDMI oder Netzteilkabel zu kurz sind und danach „Übergangslösungen“ entstehen.
- TV-Zone: TV, Soundbar/AV-Receiver, Streaming-Box, Konsole, Subwoofer, ggf. Antenne/Sat, Netzwerkswitch.
- Netzwerk: Router, Modem/ONT, Repeater/Mesh, NAS.
- Sofa-Zone: Steh- oder Leselampe, Handy-Laden, Laptop, ggf. Beistelltischleuchte.
Planen Sie pro Zone mindestens 2 Steckplätze Reserve. In der Praxis sind das die Steckplätze, die später Chaos verhindern (Weihnachtsbeleuchtung, Luftreiniger, Gast-Laden).
Schritt 2: „Kabeltypen trennen“ statt alles bündeln
Für weniger Störungen und bessere Wartung führen Sie Kabel in Gruppen:
- 230 V Strom (Netzteile, Mehrfachsteckdose)
- Daten (LAN, HDMI)
- Audio (Subwoofer, Lautsprecherkabel)
Sie müssen nicht 30 cm Abstand halten, aber vermeiden Sie, dass dünne Signalkabel dauerhaft fest an Netzteil-Klötzen und Netzleitungen gequetscht werden. Das macht die Montage später auch deutlich einfacher.
Schritt 3: Wartung einplanen: „Service-Schlaufe“ und Beschriftung
Der größte Praxisfehler: alles zu stramm ziehen. Besser: Lassen Sie hinter dem TV-Board oder in einem Kabelkanal eine kleine Reserve-Schlaufe (ca. 10-20 cm). Zusätzlich: Beschriften Sie mindestens HDMI und LAN an beiden Enden (kleine Etiketten). Das spart beim Gerätewechsel richtig Zeit.
TV-Wand ohne Stemmen: Kabel unsichtbar führen, aber zugänglich lassen
Option A: Lackierbarer Kabelkanal (die Mietwohnung-Standardlösung)
Ein sauber geklebter oder gedübelter Kabelkanal ist in deutschen Wohnungen die robusteste Lösung. Wichtig: Kanal breit genug wählen, sonst passt der Stecker nicht durch oder die Biegeradien von HDMI sind zu eng.
- Breite: Für TV plus Soundbar reichen oft 40-60 mm, mit mehreren HDMI eher 60-80 mm.
- Führung: Senkrecht nach unten, dann waagerecht bis zum TV-Board oder zur Steckdose.
- Ecken: Mit Eckstücken arbeiten, nicht „auf Spannung“ biegen.
- Optik: Kanal in Wandfarbe streichen (vorher anrauen, passende Farbe).
Praxis-Tipp: Wenn die Steckdose seitlich versetzt ist, wirkt ein bewusst geplanter waagerechter Abschnitt ordentlicher als eine diagonale „Abkürzung“.
Option B: Flache Kabelkanäle hinter Vorhang oder Akustikpaneel (wenn der TV „schwebt“)
Wenn Sie ohnehin einen Vorhang, eine Lamellenoptik oder eine Wanddeko nutzen, können Sie den Kanal dahinter verstecken. Das ist nicht nur optisch ruhig, sondern schützt auch vor Kinderhänden.
- Kanal hinter seitlichem Vorhang (z.B. von Decke bis Boden) führen.
- Oder Kabelkanal hinter einer abnehmbaren Deko-Leiste montieren.
- Immer eine zugängliche Revisionsstelle lassen (z.B. unten am Board).
Option C: HDMI und Strom vom TV-Board aus: die „alles unten“-Variante
Wenn der TV nicht extrem hoch hängt, ist die einfachste Lösung: Alle Geräte (Streaming, Konsole) ins TV-Board, nur ein Kabelstrang nach oben. Dann brauchen Sie oben keinen Steckdosenplatz am TV.
- Am TV: nur 1x Strom (vom Board) und 1-2x HDMI/LAN.
- Am Board: Steckdosenleiste, Netzteil-Management, Lüftung für Konsole.
Achten Sie darauf, dass das Board hinten mindestens 5-8 cm Luft hat oder Kabeldurchlässe besitzt, sonst knicken die Kabel und das Board steht schief.
Steckdosenleisten richtig platzieren: sicher, aufgeräumt, ohne Hitzestau
Die wichtigste Regel: Netzteile brauchen Luft
Viele Steckdosenleisten verschwinden in einer engen Kiste und werden warm, weil mehrere Netzteile dicht an dicht liegen. Nutzen Sie einen Kabelkorb oder eine Steckdosenbox mit Belüftungsschlitzen und legen Sie große Netzteile so, dass sie nicht gegenseitig Steckplätze blockieren.
- Steckdosenleiste mit 45-Grad-Anordnung erleichtert dicke Netzteile.
- Leiste verschrauben oder mit starken Klettpads fixieren (wackelt sonst beim Steckerziehen).
- Keine Mehrfachsteckdose in Mehrfachsteckdose stecken (Kaskadierung vermeiden).
Wo die Leiste hin sollte (Praxis-Orte)
- Unter dem TV-Board: Leiste in Kabelkorb, kurze Netzkabel, sauberer Zugriff.
- Seitlich hinter dem Board: gut, wenn unten ein Saugroboter fährt.
- Unter dem Sofa: nur wenn Sie eine flache Leiste plus Kabelschutz nutzen und regelmäßig reinigen.
Überspannung und Schalter: Wann es sich lohnt
Überspannungsschutz ist sinnvoll, wenn Sie empfindliche Elektronik betreiben (TV, Konsole, Router) und die Installation nicht brandneu ist. Ein Hauptschalter ist praktisch, aber: Router und Mesh sollten meist durchlaufen. Besser sind zwei getrennte Leisten: eine für „immer an“ (Router), eine für „abschaltbar“ (Konsole, Ladegeräte).
Router, Mesh und TV: So bekommen Sie gutes WLAN ohne sichtbare Leitungen
Das Wohnzimmer ist oft WLAN-Krisenzone, weil der Router im Flur oder Abstellraum neben der Anschlussdose steht. Wenn Sie ständig Streaming-Aussetzer haben, lösen Sie erst die Funk-Architektur, dann die Kabelführung.
Variante 1: Router bleibt an der Dose, TV bekommt LAN per Powerline oder Flachkabel
Powerline kann funktionieren, ist aber stark abhängig von Stromkreis und Störungen. Wenn möglich, ist ein dezentes LAN-Kabel (z.B. entlang Sockelleiste im flachen Kanal) stabiler. In Mietwohnungen ist ein selbstklebender Sockelleisten-Kanal oft die beste Mischung aus Optik und Rückbaubarkeit.
- LAN entlang der Sockelleiste bis zum TV-Board führen.
- Kurzes Patchkabel vom Board zu TV/Streaming-Box.
Variante 2: Mesh-Knoten im Wohnzimmer mit „unsichtbarer“ Versorgung
Ein Mesh-Point hilft, wenn Sie ihn richtig platzieren: nicht hinter dem TV, nicht im geschlossenen Schrank, sondern frei und etwa auf Tischhöhe. Die Stromversorgung lösen Sie über eine Steckdose hinter dem Sideboard und führen nur ein kurzes, sauberes Kabel nach oben.
Variante 3: TV-Ecke als Technik-Zone mit kleinem Switch
Wenn mehrere Geräte LAN brauchen (TV, Konsole, Streaming, AV-Receiver), setzen Sie einen kleinen Switch ins TV-Board. Dann reicht ein einziges LAN-Zuleitungskabel, der Rest bleibt im Möbel.

Kabel am Sofa und im Laufweg: alltagstauglich statt „Instagram-clean“
Leselampe und Laden: definieren Sie einen Ladepunkt
Die meisten sichtbaren Kabel entstehen am Sofa. Statt alles zu verstecken, definieren Sie einen einzigen Ladepunkt: z.B. eine schmale Steckdosenleiste im Beistelltisch oder eine Leiste unter der Sofakante mit Klett.
- 1x USB-C Kabel in „Alltagslänge“ (2 m) für bequemes Laden.
- Kabel mit Magnet- oder Clip-Halter am Tisch fixieren, damit es nicht auf den Boden fällt.
- Wenn Kinder da sind: Kabel so führen, dass keine Schlaufen am Boden liegen.
Strom über Laufwege: Flachkabel und Kabelbrücken richtig nutzen
Wenn die Steckdose ungünstig liegt, vermeiden Sie lose Verlängerungen. Zwei praxistaugliche Lösungen:
- Flachkabel unter Teppich: Funktioniert gut bei Kurzflor-Teppichen, wenn der Teppich nicht ständig verrutscht.
- Kabelbrücke: Für harte Böden und klare Laufwege, aber optisch sichtbarer.
Wichtig: Keine Kabel unter dicken Teppichen „einrollen“ oder quetschen, und keine Stellen, an denen Stuhlrollen ständig darüberfahren.
Ordnung, die bleibt: Bündeln, führen, beschriften
Mit Klett statt Kabelbindern (weil Sie später etwas ändern werden)
Kabelbinder sind final. Im Wohnzimmer ändern sich Geräte ständig. Nutzen Sie Klettbänder in 20-30 cm Länge. Bündeln Sie in Abschnitten: einmal am Ausgang der Steckdosenleiste, einmal vor dem Kabelkanal, einmal am Gerät. So bleibt alles flexibel.
Kabeldurchführungen im Möbel nachrüsten
Viele TV-Boards haben zu kleine Öffnungen. Für 5-15 EUR bekommen Sie Kabeldurchführungen (Bürstendurchlass oder Kunststoffring). Bohren Sie hinten oder oben im unsichtbaren Bereich und entgraten Sie sauber. Danach wirken selbst viele Kabel deutlich ordentlicher.
- Bohrloch anzeichnen, prüfen, ob innen keine Strebe im Weg ist.
- Mit Lochsäge bohren (oft 60 mm Standard).
- Durchführung einsetzen, Kabel mit Klett fixieren.
Gerätewärme berücksichtigen (Konsole, Receiver, Soundbar)
Wenn Sie Technik im geschlossenen Board betreiben, planen Sie Lüftung: mindestens hinten offen oder mit Luftschlitzen. Sonst werden Kabel und Netzteile unnötig warm und das Gerät drosselt oder fällt aus.
Typische Fehler aus der Praxis (und wie Sie sie vermeiden)
- Zu enger Kabelkanal: HDMI-Stecker passt nicht, am Ende bleibt doch ein Kabel außen. Lieber eine Nummer größer.
- Steckdosenleiste lose: Beim Steckerziehen kommt alles mit. Leiste fixieren.
- Alles in eine Box stopfen: Hitzestau, Kabelbruch. Netzteile sortieren, Luft lassen.
- WLAN-Repeater hinter dem TV: schlechtester Platz. Repeater frei und höher positionieren.
- Keine Reserve: Ein Gerätewechsel bringt Chaos. Service-Schlaufe und 2 Steckplätze extra einplanen.
Podsumowanie
- Planen Sie Zonen (TV, Router, Sofa) und rechnen Sie 2 Steckplätze Reserve pro Zone.
- Nutzen Sie Kabelkanäle in ausreichender Breite und führen Sie Kabel senkrecht/waagerecht, nicht diagonal.
- Steckdosenleisten gehören in einen belüfteten Kabelkorb und sollten fixiert werden.
- Trennen Sie Strom, Daten und Audio und lassen Sie eine Service-Schlaufe für Wartung.
- Für stabiles Streaming: lieber LAN an der Sockelleiste als Repeater hinter dem TV.
FAQ
Welche Breite sollte ein Kabelkanal für TV-Kabel haben?
Für TV plus 1-2 HDMI und Strom sind 40-60 mm oft ausreichend. Wenn mehrere HDMI, LAN und Soundbar dazukommen, planen Sie eher 60-80 mm, damit nichts gequetscht wird.
Darf ich eine Steckdosenleiste in eine Box packen?
Ja, wenn die Box belüftet ist und Netzteile nicht gestapelt werden. Vermeiden Sie Hitzestau: Netzteile mit Abstand legen und keine Kaskadierung von Mehrfachsteckdosen.
Powerline oder WLAN-Mesh: Was ist im Wohnzimmer zuverlässiger?
Wenn ein LAN-Kabel (Sockelleisten-Kanal) möglich ist, ist das meist am stabilsten. Mesh ist gut, wenn der Knoten frei steht. Powerline kann funktionieren, ist aber stark von der Elektroinstallation abhängig.
Wie verstecke ich Kabel am Sofa, ohne dass es unpraktisch wird?
Definieren Sie einen Ladepunkt (Beistelltisch oder Sofaseite), fixieren Sie das Kabel mit Clips und nutzen Sie ein 2 m USB-C Kabel. So bleibt es erreichbar, aber nicht ständig auf dem Boden.
