Platzmangel im Kleiderschrank? Oft liegt es nicht an der Größe des Schranks, sondern an der Innenaufteilung. Mit durchdachten Fachhöhen, einem Kleiderlift für die obere Etage, passenden Boxen und einem klugen Saisonwechsel holen Sie das Maximum aus Ihrem Schrank. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen – mit konkreten Maßen, Werkzeugen und Materialien aus deutschen Baumärkten und Möbelhäusern. Ideal für Mieter und Eigentümer in Alt- und Neubauten.

Grundlagen: Die richtige Fachhöhe messen und planen
Bevor Sie loslegen, messen Sie Ihren Schrank aus. Notieren Sie Höhe, Breite und Tiefe aller Fächer. Bedenken Sie: Ein Fach für gefaltete Pullover sollte 30–40 cm hoch sein – der Stapel wird dann nicht zu instabil. Für Jeans oder Handtücher reichen 20–25 cm. Nutzen Sie einen Zollstock (3 m, ca. 5 €) und eine Wasserwaage (30 cm, ca. 8 €). Bei Einbauschränken (z. B. IKEA PAX) können Sie die Fachhöhen durch Versetzen der Einlegeböden anpassen. Die meisten Böden liegen auf Rasterlöchern im 2,5-cm-Abstand. Zeichnen Sie mit einem Bleistift die gewünschte Position an. Für Hängeschienen: Blusen und Hemden benötigen 90–100 cm Höhe, Jacken 110–120 cm, lange Kleider 140–150 cm. Planen Sie auch den Kleiderlift ein – dieser benötigt mindestens 100 cm lichte Höhe und 60 cm Tiefe (siehe nächster Abschnitt).
Kleiderlift einbauen: Platzsparend für schwer zugängliche Bereiche
Ein Kleiderlift (z. B. von IKEA KOMPLEMENT oder als Nachrüstsatz von OBI) erleichtert den Zugriff auf die oberen Schrankzonen. Er besteht aus einem Auszug mit Kleiderstange, der sich herunterziehen lässt. Typische Maße: Breite 50–100 cm, Tiefe 50–60 cm, max. Belastung 15–20 kg.
Werkzeug
- Bohrmaschine (Schlagbohrer, ca. 50 €)
- Holzbohrer 3 mm und 5 mm
- Steinbohrer 6 mm (für Dübel)
- Schraubendreher Torx oder PH2
- Hammer
- Wasserwaage
- Dübel (Fischer DuoPower 6×30, ca. 5 € pro 10er-Pack)
Arbeitsschritte
- Einbauposition markieren: Der Lift wird im Fach unter dem obersten Einlegeboden montiert. Die Kleiderstange muss später freischwingen können. Markieren Sie die Mitte des Fachs und die Höhe der Auszugsschienen.
- Löcher vorbohren: Bohrerdurchmesser 3 mm für die Schrauben des Lifts (Metallrahmen). Bei Spanplatten reichen 3 mm, bei Massivholz 2,5 mm.
- Schienen montieren: Setzen Sie die beiden Auszugsschienen an die Seitenwände. Achten Sie auf waagerechte Ausrichtung (Wasserwaage). Schrauben Sie sie mit den beigelegten Schrauben fest.
- Kleiderstange einsetzen: Hängen Sie die Stange in die Schienen ein. Prüfen Sie den leichten Lauf.
- Belastung testen: Hängen Sie ein paar Kleidungsstücke ein und ziehen Sie den Lift mehrfach ein und aus. Korrigieren Sie gegebenenfalls die Schienen.
Tipp: Bei einer Gipskartonwand müssen Sie Hohlraumdüsel (z. B. Fischer HM, ca. 10 €) verwenden. Achten Sie auf die Tragfähigkeit der Wand.

Boxen und Körbe: Smarte Aufbewahrung für Accessoires
Boxen aus Textil, Kunststoff oder Holz halten Ordnung in den Fachbereichen. Beliebt sind die IKEA SKUBB-Boxen (30x34x23 cm, ca. 10 € pro Stück). Für schmale Fächer gibt es Varianten mit 17 cm Breite (z. B. SAMLA von IKEA).
Materialien
- Textilboxen (SKUBB, ca. 10–20 €)
- Kunststoffboxen (SAMLA, 5–15 €)
- Körbe (Bambus, Korbwaren, ca. 8–25 €)
- Etiketten und Markierstift (ca. 5 €)
Anwendung
- Je Fach ein bis zwei Boxen.
- Boxen nicht überfüllen – max. 3/4 voll, damit sie noch herausnehmbar sind.
- Boxen beschriften (z. B. „Socken“, „Gürtel“) – verwenden Sie Etikettenaufkleber (Dymo oder von Hand).
- Stapelbare Boxen nutzen die Höhe besser aus – achten Sie auf gleiche Maße.
Saisonwechsel organisieren: So lagern Sie Sommer- und Winterkleidung richtig
Lagern Sie nicht benötigte Kleidung platzsparend und schützt vor Staub. Ideale Plätze: unter dem Bett (mit Rollboxen) oder auf dem Schrank.
Schritt 1: Ausmisten
Sortieren Sie aus, was nicht mehr passt oder getragen wird. Verkaufen oder spenden Sie Unnötiges.
Schritt 2: Verpacken
Nutzen Sie Vakuumbeustrahlbeutel (z. B. von XXL, ca. 10–15 € für 3 Stück). Sie reduzieren das Volumen um bis zu 80%. Alternativ: Plastikboxen (30–60 Liter, ca. 6–10 €) mit Deckel. Beschriften Sie jede Box deutlich (z. B. „Winterjacken“, „Sommerkleider“).
Schritt 3: Einlagern
Stapeln Sie die Boxen. Achten Sie darauf, dass die maximale Belastung des Schrankbodens nicht überschritten wird (bei Spanplatten max. 20–30 kg pro qm). Bei Einbau in einen IKEA PAX sind die Böden für 15–20 kg ausgelegt – verteilen Sie schwere Boxen auf mehrere Böden.
Realistische Kosten
- Zollstock und Wasserwaage: 5–10 €
- Kleiderlift (IKEA KOMPLEMENT oder OBI): 30–60 €
- Textilboxen (3er-Pack): 25–40 €
- Kunststoffboxen (5 Stück, 30 L): 20–30 €
- Vakuumbeutel (3 Stück): 10–15 €
- Etiketten und Stift: 5 €
- Gesamt: ca. 95–160 €
Typische Fehler
- Zu hohe Fächer: Viele Schränke haben ein Fach von 40–50 cm Höhe – das ist für gefaltete Kleidung ineffizient. Besser: 20–30 cm.
- Keine Unterteilung: Ohne Boxen kippen Stapel um. Nutzen Sie immer Trennwände oder Boxen.
- Falsche Belastung: Kleiderlift mit mehr als 20 kg bestücken – die Schienen verbiegen sich.
- Boxen überfüllen: Dann lassen sie sich nicht mehr herausziehen.
- Saisonkleidung nicht schützen: Ohne Vakuumbeutel oder Boxen verstaubt die Kleidung.
Wann zum Fachbetrieb?
Wenn Sie eine Beleuchtung (z. B. LED-Strip) oder Schiebetüren nachrüsten möchten, sollten Sie einen Elektriker oder Schreiner beauftragen. Auch bei Einbau in feuchte Räume (Keller, Dachgeschoss) ist Fachwissen nötig. Zudem bei statischen Problemen: Wenn der Schrank an der Wand befestigt werden muss (Kippschutz bei hohen Schränken), ist ein Profi ratsam.
Checkliste
- Schrank ausmessen (Höhe, Breite, Tiefe)
- Fachhöhen planen (20–40 cm für Faltware, 100–150 cm für Hängendes)
- Kleiderlift besorgen und einbauen
- Boxen/Körbe kaufen und beschriften
- Saisonkleidung aussortieren und verpacken
- Alles einsortieren und auf Funktion prüfen
